Performative Arbeit am Performance-Archiv
Was sind Dokumente und Aussagen, Spuren und mediale Artefakte, auf die Geschichte/n der Performance-Kunst, allgemeiner der Aufführungskünste, zurückgreifen kann? Was sind die Vorlagen – Szenarien, Notizen, Partituren, Fotos und bewegte Bilder, Beschreibungen und Rezensionen -, auf die Reenactments zurückgreifen können (und wollen)?
Marina Abramovic hat mit ihrem Projekt Seven Easy Pieces, das sie 2005 zuerst im Guggenheim Museum New York zeigte, einen Weg vorgeschlagen, wie diese Geschichte neu und anders gelesen werden kann. Ihre Reenactments früher Performances von Bruce Nauman, Vito Acconci, VALIE EXPORT, Gina Pane, Joseph Beuys sowie ihrer eigenen versteht sie als Wiederaneignung, die bestimmten Regeln folgen soll.
[…]
By performing 'Seven Easy Pieces', I would like to propose a model for re-enacting other artists’ performance pieces in the future:
Conditions
Ask the artist for permission.
Pay the artist for copyright.
Perform a new interpretation of the piece.
Exhibit the original material: photographs, video, relics.
Exhibit a new interpretation of the piece.
This proposed new model could give performance art, which started as a transitory movement, a stable grounding in art history. It would lead to better dialogue between different generations of performance artists and would guarantee a clearer position for performance as a more artistic discipline. [Abramovic 2007: 3]
Reenactments werfen nun selbst wiederum die Frage auf, wie sie ins Archiv der Performance-Kunst eingehen können. Babette Mangolte hat aus den sieben mal sieben Stunden Performances einen 95-minütigen Film komponiert, der nun als archivarisches Artefakt zweiter Ordnung ebenso wie als eigenständiges Werk im Kunstkontext zirkulieren wird.
Als in anderer Weise performative Arbeit am Archiv, d.h. an der Sammlung von Aussagen und archivarischen Artefakten, kann auch die der 'oral history' entlehnte Methode der Interviews mit Zeitzeugen und Künstlern angesehen werden. Darauf hat Heike Roms in Zusammenhang mit ihrem Projekt zur Geschichte der Performance-Kunst in Wales hingewiesen.[2] In ihrer Recherche-Praxis hat sie diesen performativen Aspekt ausgestellt:

