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Das "Algorhythmische"

 

 

Aus der Auseinandersetzung von tanzenden Körpern und algorithmischen Choreographien resultiert eine neue Form des Zusammenspiels von Tanz und Archiv. Bereits die Kinetographie Labans als Aufzeichnungsmöglichkeit von Bewegung erlaubt in ihrer "orthographischen" Variante ausdrücklich, nicht nur einzelne Momente, sondern ganze Bewegungsfolgen anzuschreiben. [von Laban 1928: 3]
Das Archiv ist dem Tanzereignis nicht mehr dokumentarisch nachgeordnet, sondern an der Produktion beteiligt, denn alle algorithmischen Notationen, wenn im Computer tatsächlich als Grundlage für die Prozessierung der Körpersignale am Werk, stellen selbst schon ein Archiv dar (der "stored-program computer", die Architektur von Neumanns). In diesem Zusammenhang macht ein unter Studierenden häufig anzutreffender orthographischer Verschreiber Sinn, wenn in Hausarbeiten die Rede von Algorithmen ist und dort "Algorithmus" steht. Im Wissen des Unbewussten schreibt sich hier der "Rhythmus" mit; ein Magister der Medienwissenschaft, Shintaro Miyazaki, hat dieses Wortspiel auf den medienarchäologischen Begriff gebracht. [Miyazaki (2008]

Das dezidierte Programm einer epistemologischen Bewegungsforschung untersucht konkrete kulturtechnische Artikulationsformen (zu denen der Tanz fraglos gehört) in ihrer Allianz oder auch Auseinandersetzung mit technologischen Medien als wissenserzeugende Prozesse, nicht schlicht als ästhetische Ausdrucksform, und fasst die Erprobung der Auseinandersetzung von Mensch und Maschine, das Aufeinandertreffen von humaner Artikulation und technischer Operativität in den Begriff von "Signalen performativer Körper". [Willeit] Es findet hier eine Dezentrierung des Menschen im Verhältnis zur (von ihm selbst geschaffenen) technomathematischen Kultur statt. In dieser umfassenderen Welt ist er, frei nach Bruno Latour, nurmehr einer unter diversen unmenschlichen Agenten.


 

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